Damit der letzte Wille zählt – was beim Testament zu beachten ist
Köln, 8. November 2012.
Obgleich man das Thema Testament gerne verdrängt, kann es wichtig sein, sich frühzeitig damit zu befassen. Denn: Häufig wird der letzte Wille eines Menschen nicht erfüllt, da er diesen gar nicht erst festgelegt hat oder aber das Testament notwendige Kriterien nicht erfüllt. Peter Konrad, ROLAND-Partneranwalt und Fachanwalt für Erbrecht von der Erlanger Kanzlei Hummelmann, von Pierer und Kollegen, erklärt, was zu beachten ist, damit der letzte Wille wirksam ist.

Bei der Testamentsentscheidung gesetzliche Erbfolge berücksichtigen
Ob und wer überhaupt ein Testament verfassen sollte, klärt sich nach drei Fragen: Was habe ich, wer kann in meinem Todesfall gesetzlich erben und wer soll bekommen, was mir gehört? Liegt kein Testament vor, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. „Wer das Risiko vermeiden will, dass sich seine bevorzugten Erben aufgrund der Rechtslage in einer Erbengemeinschaft mit Personen wiederfinden, die nichts erben sollen, entscheidet sich am besten frühzeitig für ein Testament„, so Peter Konrad. „Gibt es weder eheliche noch außerhalb der Ehe geborene Kinder, keine Enkel und keinen Ehepartner, versucht man anhand des Familienstammbaums mögliche Erben aus der weiteren Verwandtschaft zu identifizieren.„ Grundsätzlich kann ein Testament bereits ab dem 18. Lebensjahr verfasst werden. Ab dem 16. Lebensjahr ist aufgrund der eingeschränkten Geschäftsfähigkeit lediglich ein beim Notar aufgesetztes Testament gültig.

Für den letzten Willen am besten fachkundigen Rat einholen
Es gibt zwei Arten, ein Testament aufzusetzen: Zum einen kann man kostenfrei und eigenhändig ein sogenanntes privatschriftliches Testament verfassen, das selbst oder beim Amtsgericht verwahrt wird. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, gegen Gebühr ein öffentliches Testament beim Notar zu verfassen. Der Betrag richtet sich nach einer festen Gebührenordnung, die wiederum der Nachlasswert bestimmt. Sicherer, dass der letzte Wille erfüllt wird, ist man beim öffentlichen Testament. ROLAND-Partneranwalt Konrad erklärt: „Das privatschriftliche Testament hat seine Tücken. Handbücher reichen oft nicht aus, um ein wirksames Testament zu verfassen. Besser man holt bei einem Rechtsanwalt fachkundigen Rat ein oder geht zum Notar.„ Ein weiterer Vorteil des öffentlichen Testaments: Man erspart den Erben unter Umständen Kosten für den Erbschein, wenn sie das Erbe annehmen. Dieser ist häufig nötig, wenn man seine Erbenstellung gegenüber Dritten nachweisen muss, beispielsweise gegenüber dem Grundbuchamt, wenn sich Grundstücke oder Immobilien im Nachlass befinden, oder gegenüber einer Bank, soweit keine Vollmacht für die Konten des Verstorbenen über den Tod hinaus vorliegt.

Formvorschriften und korrekte Formulierungen beachten
Beim privatschriftlichen Testament ist wichtig zu wissen, dass der letzte Wille komplett handschriftlich und eigenhändig verfasst sowie unterschrieben sein muss. Zudem muss klar sein, wer der Verfasser ist und ob er zum Zeitpunkt der Niederschrift tatsächlich über seinen letzten Willen verfügen wollte und testierfähig war. Ort und Datum sind nicht zwingend, aber notwendig, wenn mehrere Testamente vorliegen, um das gültige Dokument zu ermitteln. Bei verheirateten Personen und eingetragenen Lebenspartnern, die gemeinsam ein Testament aufsetzen, reicht es, wenn einer den Text verfasst, unterschreiben müssen jedoch beide. „Problematisch sind häufig falsch verwendetet juristische Formulierungen, die den Sinn des Textes auslegungsbedürftig machen„, so Peter Konrad. „Auch Musterformulierungen helfen dem Laien häufig nicht weiter, seinen Willen korrekt zu äußern.„

Testament bei sich ändernden Familienverhältnissen überprüfen
Ein einmal errichtetes Testament ist nicht in Stein gemeißelt. So kann ein Testament durch ein neues ersetzt, ergänzt oder widerrufen werden, das alte sollte man dann jedoch vernichten beziehungsweise für ungültig erklären. „Insbesondere, wenn sich die Familienverhältnisse ändern, beispielsweise bei einer Scheidung, sollte man sein Testament überprüfen„, rät der Fachanwalt für Erbrecht. „Wichtig ist auch, dass man im Zweifel rechtlichen Rat einholt. Um den Überblick zu behalten, sollte man sein Testament zudem nicht zu häufig ändern.„

Schulden werden mitvererbt
Auch ein Testament, das erst Jahre nach dem Tod auftaucht, kann den letzten Willen des Verstorbenen erfüllen. Vorausgesetzt, das Testament ist wirksam und die Erben treten das Erbe an. „Grundsätzlich können die designierten Erben innerhalb von sechs Wochen nach Bekanntgabe der Erbschaft das Erbe ausschlagen. Dies kann sinnvoll sein, wenn der Verstorbene Schulden hinterlassen hat, die die Erben mit Antritt des Erbes übernehmen würden, und eine Nachlassverwaltung oder ein Nachlasskonkurs nicht infrage kommen„, so Konrad. Wichtig: Wer ein Erbe ausschlägt, um die Schulden zu umgehen, darf nichts aus dem Nachlass des Verstorbenen in Besitz nehmen. „Ansonsten kann es passieren, dass das Erbe als angenommen betrachtet wird und man dann auch für die Schulden aufkommen muss – hier sollten Erben äußerst vorsichtig sein„, so Peter Konrad abschließend.

Ratgeber

Was ist im Todesfall zu tun?

Durch den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen müssen im Todesfall diverse Formalitäten erledigt werden. Meldungen bei Ärzten und Behörden sind dann nötig, die wichtigen Papiere und Dokumente des Verstorbenen müssen vorhanden sein.

Welches sind die ersten Schritte, wen müssen Sie benachrichtigen und welche Papiere und Dokumente sind nötig? All diese Punkte werden wir hier für Sie zusammengestellen.

Welche Dokumente erforderlich sind:

Bei einem Sterbefall müssen einige Dokumente kurzerhand zur Verfügung stehen.

Wichtige Dokumente sind:

  • Todesbescheinigung vom Hausarzt/Notarzt
  • Personalausweis des Verstorbenen
  • Versichertenkarte der Krankenkasse
  • Bestattungs-Vorsorgevertrag/Trauerfall-Vorsorgevertrag
  • weitere Versicherungsunterlagen

 

 

Zusätzlich - je nach Familienstand:

  • ledig: Geburtsurkunde, Stammbuch
  • verheiratet: Stammbuch oder Heiratsurkunde
  • geschieden: rechtskräftiges Scheidungsurteil und Heiratsurkunde oder Stammbuch
  • verwitwet: Stammbuch mit Sterbeeintrag des Ehepartners oder Heiratsurkunde und Sterbeurkunde des Ehepartners

Vorsorge ist Verantwortung in eigener Sache

Vorsorge für die eigene (oder einem nahe Stehenden) Bestattung zu treffen ist nie ganz leicht, wer beschäftigt sich schon gerne mit dem eigenen Tod oder dem seiner Angehörigen. Es gilt, diese natütliche innere Hürde zu überwinden.
Bitte denken Sie an Vorsorge, nutzen Sie zum Beispiel die Angebote von Sterbekassen. Hier die Angebote der BVaG.

BVaG

Lebensversicherung: Jeder Fünfte ohne Absicherung der Hinterbliebenen

Veröffentlicht am: 14.11.2011 (Quelle: Versicherungsbote Verlag)

Viele Familien in Deutschland sind für den Todesfall des Hauptverdieners schlecht abgesichert: Jeder fünfte deutsche Familienvorstand verzichtet komplett auf die Absicherung seiner Angehörigen durch den Abschluss einer entsprechenden Versicherung.

Allein dadurch entsteht eine Absicherungslücke in der Bundesrepublik von hochgerechnet rund 235 Milliarden Euro. Aber selbst die Familien, die über eine entsprechende Police verfügen, haben mit im Schnitt rund 2,4 abgesicherten Bruttojahresgehältern einen zu geringen Risikoschutz. Das ergab eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag von Asstel, Direktversicherer der Gothaer, unter 1.022 deutschen Haushaltsvorständen mit mindestens einem Kind im Haushalt.

Natürlich beschäftigt sich niemand gerne mit dem Thema Tod. Dennoch sollten Familien zwingend für den Fall der Fälle vorsorgen und für eine entsprechende Absicherung der nächsten, meist finanziell abhängigen Angehörigen sorgen , erklärt Dr. Mathias Bühring-Uhle, Vorstand der Asstel Versicherungsgruppe. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass die Verwandten durch den plötzlichen Tod in existenzielle Nöte geraten. Gerade wenn Kredite zum Beispiel für eine Immobilie abgezahlt werden müssen. Als Faustregel gilt, dass ungefähr drei bis fünf Bruttojahresgehälter des

Hauptverdieners abgesichert werden sollten. 68 Prozent der Befragten verfügen zwar über eine entsprechende Absicherung für den Todesfall, 50 Prozent der Deutschen haben aber weniger als drei Jahreseinkommen abgesichert. Im Schnitt würden die versicherten Familien nur rund 87.000 Euro ausgezahlt bekommen. Da das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen aller befragten Familienvorstände bei 38.200 Euro liegt, sollte die Versicherungssumme daher eigentlich zwischen

114.600 Euro (drei Jahresgehälter) und 191.000 Euro (fünf Jahresgehälter) liegen.

Unfallversicherung mit Todesfallleistung ist die beliebteste Police

Die am häufigsten genutzte Police zur Absicherung der Hinterbliebenen ist in Deutschland die Unfallversicherung mit Todesfallleistung. 54 Prozent der Befragten verfügen über diese Police. 46 Prozent haben eine Kapitallebens- und 39 Prozent eine Risikolebensversicherung abgeschlossen.

Mehrfachnennungen waren möglich und viele deutsche Familien schützen sich auch über mehrere Verträge. Mit immerhin 19 Prozent der Hauptverdiener in deutschen Familien verfügen hingegen sehr viele über gar keine Absicherung für den Todesfall. Ihre Angehörigen würden im Fall der Fälle zusätzlich zum großen menschlichen Verlust auch finanziell mit leeren Händen dastehen. Die nicht versicherten Befragten verdienen im Schnitt 25.800 Euro brutto pro Jahr. Eine optimale Absicherung von vier  Jahresgehältern zu Grunde gelegt, ergibt sich damit auf die ganze Bundesrepublik hochgerechnet eine Versicherungslücke von knapp 235 Milliarden Euro.

Gerade die Jüngeren vernachlässigen die Absicherung

Besonders vernachlässigt wird die Absicherung in Deutschland gerade von den Jüngeren.

Beispielsweise hat in der Altersklasse der 18- bis 34-Jährigen nur rund ein Viertel (27 Prozent) der Haushaltsvorstände eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen. Bei den 45- bis 54-Jährigen sind es fast doppelt so viele (52 Prozent). Auch im Ost-West-Vergleich gibt es einen markanten Unterschied: In den neuen Bundesländern nehmen die Haushaltsvorstände das Thema Absicherung deutlich ernster. Während im Westen 20 Prozent der Befragten auf die Todesfallabsicherung komplett verzichten, sind es im Osten nur halb so viele (10 Prozent).

19.11.2011

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